3 thoughts on “Memory Game – Erinnern ist tödlich: Thriller

  1. Die dunklen Felle
    2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    3.0 von 5 Sternen
    Interessante Alternativwelt, die in einer durchschnittlichen Krimihandlung versandet, 22. Oktober 2017
    Wer mir schon eine Weile folgt, wird wissen, dass ich neben dem Krimigenre gerne immer wieder Blicke in die Zukunft werfe, aber auch Alternativwelten mich hin und wieder reizen können. Bei beiden – den Zukunftsromanen sowie den Alternativwelten – reizt mich aber nicht eine komplette Veränderung, mir ist wichtig, immer noch eine Verbindung zu meiner Realität zu finden, d. h. die Zukunftsvision sollte nicht zu weit in der Zukunft oder zu weit entfernt sein, aber auch die Alternativwelt sollte nicht komplett verändert sein. Es sind ja meist nur Kleinigkeiten, eine Entscheidung oder eine Sache, welche die Veränderung unserer Realität zu einer alternativen Realität machen. Genauso wie Autorin Felicia Gap dies gemacht hat, indem sie in ihrer Welt den Menschen nur noch die Erinnerung an den letzten oder letzten und vorletzten Tag lässt.

    Eines Morgens klingelt die Polizei an Claire Evans Tür. Im nahegelegenen Fluss wurde die Leiche einer Frau gefunden. Die Polizei, genauer gesagt, DCI Hans Richardson, behauptet, sie wäre die Geliebte ihres Mannes Mark. Doch ist das die Wahrheit? Verschweigt Mark etwas? Und woran kann sie sich nicht mehr erinnern? Gar keine einfache Frage, denn Claire ist eine Mono und kann sich nur noch an die gestrigen Ereignisse erinnern. Und Mark ist ein Duo – er kann sich an zwei vergangene Tage erinnern.

    Diese alternative Welt ist gar nicht so anders als unsere und doch gibt es einen entscheidenden Unterschied. Die Welt spaltet sich in zwei Bevölkerungsgruppen: Monos und Duos. Monos erinnern sich nur an den letzten Tag, Duos an die letzten zwei Tage. Aus diesem Grund sind Duos diejenigen, die erfolgreich, reich, berühmt und angesehen sind, Monos sind die anderen, die Arbeiterklasse, diejenigen, die nicht genug „Grips“ für mehr haben, die dümmer sind. Eine waghalsige Theorie, welche die Autorin hier ihrer Welt zugrunde legt, aber gar nicht so abwegig, denn so sind wir Menschen. Wir stecken ganz leicht andere Menschen in Schubladen.
    Beide Bevölkerungsgruppen erleben eine ganz normale Kindheit und Jugend – auch mit einem Vollgedächtnis, wie es im Buch so schön heißt. Ob man ein Mono oder Duo ist, stellt sich dann mit Erreichen des Erwachsenenalters heraus. Monos vergessen ab 18 Jahren, Duos ab 23. Allen wird eingebleut, ihre Erinnerungen in Tagebüchern festzuhalten und auswendig zu lernen, früher natürlich handschriftlich, heute mit dem iDiary (ja, Steve Jobs lässt grüßen – Smartphones sind zwar da, aber neben dem essentiell wichtigen iDiary sind sie unwichtig).

    In dieses Setting setzt die Autorin nun einen Kriminalfall, der mich streckenweise stark an „Girl on the train“ erinnerte, denn die dortige Protagonistin hat Blackouts durch zu starken Alkoholgenuss. Doch ein bisschen anders ist die Situation schon, denn schließlich kann sich keiner weiter als zwei Tage erinnern und ständig wird das iDiary konsultiert, um Stichwörtersuchen durchzuführen. Eine Ermittlung, die länger als zwei Tage dauert – Kriminalkommissare sind verständlicherweise alle Duos – hätte in dieser Welt also durchaus seinen Charme, doch die Autorin hat sich dazu entschlossen, die Ereignisse in einem Tag abspielen zu lassen und nimmt sich damit leider diese Herausforderung.

    Insgesamt zeigt mir die Alternativwelt zu wenig von den gesellschaftlichen Änderungen, welche die fehlende Erinnerung inne haben könnte. Einzig die Tatsache, dass jegliche Vorurteile und Ressentiments bezüglich Hautfarbe, Religion o. ä. wegfallen und dafür ein ausgeprägtes Zweiklassensystem herrscht, zeigt Änderungen. Ein paar wenige Zeitungsartikel gibt es auch, diese fokussieren allerdings auf die Mono-Duo-Ehe, die in dem Buch ja durch Claire und Mark schon eine Rolle spielt.

    Auch wenn mich das Buch im Gesamten nicht überzeugen konnte, waren gerade die ersten hundert Seiten äußerst spannend, um in diese Alternativwelt hinein zu schnuppern. Danach gab es leider nicht viel neues, bis dann zum Ende hin mich das Buch doch wieder in den Bann ziehen konnte. Nicht allerdings der Epilog – der war von der Autorin sicherlich als die Überraschung schlechthin gedacht, doch er wirkte zu aufgesetzt, als ob man das Ende nochmal toppen müsste. Für mich also ein durchwachsenes Leseerlebnis.

    Fazit:
    Eine durchaus interessante Alternativwelt, die allerdings nicht sehr tief blicken ließ. Der dort eingebettete Kriminalfall basiert aber trotzdem auf den üblichen Zutaten: ein Ereignis in der Vergangenheit, lange gehegte Rachepläne und Menschen, die nicht ehrlich zueinander sind. Ein gutes Buch, welches mehr aus sich hätte machen können.

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  2. Anonymous
    4.0 von 5 Sternen
    Erinnerungen, 29. Oktober 2017
    Von 
    Nicole (Nürnberg, Bayern) – Alle meine Rezensionen ansehen

    Meine Meinung zum Thriller:
    Memory Game
    Erinnern ist tödlich

    Aufmerksamkeit:
    Diesen Punkt erfahrt ihr wie stets auf meinem Blog.

    Inhalt in meinen Worten:
    Diesen Punkt findet ihr wie stets auf meinem Blog.

    Wie ich das gelesene empfand:
    Das Buch selbst war irre gut zu lesen. Es ist flüssig und gut lesbar. Die Thematik und auch Geschichte fesselte mich bis an die letzte Seite, so das ich tatsächlich eine ganze Nacht lang durchgelesen habe, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Doch das Ende war für mich grausig und passte nicht recht zum Buch, zumindest empfand ich es als unglaubwürdig und ich tat mir ziemlich schwer mit diesem Ende.

    Charaktere:
    In diesem Buch spielen zwei Irre mit, die so unterschiedlich sie sind auch so unterschiedlich ihre Geschichte haben. Ein Constable der ziemlich klug ist, aber etwas verschleiert. Ein Ehepaar das Mono und Duo ist, und ein kleines unschuldiges Baby.
    Alle Charaktere sind interessant gestaltet und haben ihre Eigenheiten und Feinheiten. Jedoch konnte ich immer wieder innerlich den ein oder anderen an die Wand klatschen. Am Ende hat mich ein Charaktere so verstört und auch ungläubig zurück gelassen das ich nur den Kopf schütteln konnte und irgendwie erwarte, gerade von diesem Charakter noch einmal zu lesen.

    Themen im Buch:
    Die Themen im Buch finde ich sehr breit gefächert, und vielleicht kommt es deswegen dazu, das manches einfach nicht richtig ausgegoren ist und auch einfach nicht schlüssig. Die Welt des Vergessens muss ich hinnehmen und doch empfinde ich sie nicht als ausgefeilt und rund, irgendwie ist es etwas besonderes irgendwie aber auch zu abgedreht. Die Gedanken und Ideologien im Buch erinnerten mich manchmal an die Welt, in der ich heute lebe. Wie Menschen aufeinander losgehen, nur weil sie anders ticken oder einfach anders sind, wie die Welt in schwarz weiß aufgeteilt wird, wie das Wetteifern und gleichzeitig fertig machen im Raum steht, ohne es auszusprechen aber jeder weiß was Sache ist, das hatte mich manchmal ziemlich im Buch erschreckt, das schlimmste war für mich aber das Gedankengut auf Seite 123 wie sie redeten erinnerte mich an eine Welt, in der ich nicht leben wollen würde, und wo wir doch alle irgendwie hinsteuern, das dritte Reich. Erschreckend und ziemlich heftig. Jedoch steht da nicht wortwörtlich das es darum geht, es hat sich einfach in mir dieser Gedanke eingeschlichen, der sich auch recht schnell wieder aus mir herausgeschlichen hat um mich dann in völlig andere Bahnen und Gedanken warf.

    Übrigens das Thema Vergessen finde ich nach wie vor faszinierend und spannend, jedoch so wie es im Buch dargestellt wurde, fehlte mir etwas. Natürlich kann ich selbst mir Überlegen wie sich etwas weiter entwickelt und bildet, trotz allem hätte ich es besser gefunden wenn die Autorin ihr Buch selbst noch etwas präziser formuliert hätte.

    Ein anderes berührendes Thema im Buch ***ACHTUNG SPOILER*** ist der frühe Kindstod. Wenn Eltern ihre Kinder zu früh verlieren und es eigentlich keinen ersichtlichen Grund dafür gibt, ist einfach grausig und ich will gar nicht mich selbst in einer solchen Rolle wiederfinden. Was mich jedoch fürchterlich aufregte das wieder einmal die psychisch kranken und labilen schlecht dargestellt werden und das die Klinik, die im Buch eine Rolle spielt, auch nicht gut wegkommt. Wie sollen Menschen die an Depression oder ähnlichem Leiden Mut fassen in eine Klinik zu gehen, wenn sie nur von Büchern umzingelt sind, die alles schlecht machen? Nunja, das war das einzige was mich wirklich sehr gestört hatte. ***SPOILER ENDE***

    Schreibstil:
    Die Autorin schreibt sehr intensiv und Bild gewaltig. Das finde ich gut. Das Buch wechselt von Dialogen zu Tagebucheinträgen oder Akten. Dabei kommt die Geschichte nicht zu kurz. Es ist dank der Autorin leicht sich in das Geschehen einzufügen, auch wenn ich nicht mit allem mit konnte, so konnte ich zumindest mich in das Buch fallen lassen und mich bis zum Ende unterhalten lassen, fand ich sehr angenehm und das Buch war dadurch auch schnell zu lesen.

    Spannung:
    Nachdem ich recht schnell heraus fand, wer der vermeintliche Täter ist, fand ich es irre spannend, wie das ganze sich aufgelöst hat, obwohl die letzten Seiten dann doch etwas zu verworren und verrückt geworden sind, das ich wirklich am Ball bleiben musste, weil ich einfach erfahren wollte, wie dieses Buch endet. Deswegen in der Spannung hat die Autorin es geschafft mich am Ball zu halten, ohne das ich das Buch am Ende aus der Hand legen konnte und mich lieber in eine Schlaflose Nacht begab.

    Zitate aus dem Buch:
    Seite 309: Wer erinnert sich an mehr, als er zugeben will? Wer belügt andere, und wer macht sich…

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  3. Anonymous
    4.0 von 5 Sternen
    Ein spannender Thriller mit gut ausgearbeitetem Konzept, 17. Oktober 2017
    Rezension bezieht sich auf: Memory Game РErinnern ist țdlich: Thriller (Broschiert)
    Als im Fluss Cam eine Frauenleiche gefunden wird, betraut man mit den Ermittlungen Inspektor Hans Richardson. Er ist davon überzeugt, dass die Tote vom Bestsellerautor Mark Henry Evans ermordet wurde. Doch um ihm die Tat nachzuweisen, hat er nur einen Tag Zeit, denn in seiner Welt reicht das Gedächtnis der Menschen höchstens zwei Tage zurück. Als Anhaltspunkt hat er nur das Tagebuch der Ermordeten Sophia Alyssa Ayling, die offenbar verrückt war und einen Racheplan ausgearbeitet hat… .
    Mit ,,Memory Game” hat die Autorin Felica Yap einen spannenden und raffinierten Thriller geschrieben, der bis zum Ende kaum zu durchschauen ist und sich noch zusätzlich durch das mangelnde Erinnerungsvermögen der Menschen von anderen Büchern des Genres abhebt.
    Ich konnte mich schnell in die Handlung einlesen und war begeistert davon, wie plausibel und durchdacht das eingeschränkte Gedächtnis in der Geschichte dargestellt wird. Darin wird zwischen sogenannten ,,Monos” und ,,Duos” unterschieden, die sich jeweils nur einen oder sogar zwei Tage zurückerinnern können, aber ansonsten auf ihr ,,iDiary” zurückgreifen müssen, um überhaupt irgendetwas aus der eigenen Vergangenheit zu erfahren. Ich persönlich fand es irgendwie unheimlich, nur von den eigenen Tagebucheinträgen abhängig zu sein und ansonsten keine Möglichkeit zu haben, bestimmte Ereignisse zu rekonstruieren und sich in Erinnerung rufen zu können.
    Erzählt wird die Geschichte aus unterschiedlichen Figurenperspektiven. Da ist zum Beispiel Claire Evans, welche als ,,Mono” wie alle anderen wegen ihres geringen Gedächtnisses in der Gesellschaft diskriminiert und sogar von ihrem Ehemann unterschätzt wird. Auf mich wirkte sie anfangs farblos, aber nach und nach erfährt man mehr über sie, was mein Bild von ihr nicht unbedingt verbessert hat. Ihr, als auch Marc, kann man nicht so recht trauen. Recht zu Beginn erfährt man, dass er etwas verbirgt, aber dennoch war für mich die ganze Zeit unschlüssig, ob er die Tote wirklich ermordet hat.
    Am interessantesten fand ich die Figur Sophia Alyssa Ayling, von der man nur durch Tagebucheinträge etwas erfährt. Genauso wie der Ermittler Hans war ich mir unsicher, inwieweit sie sich etwas eingebildet hat und wie gefährlich sie wirklich mit ihren Racheplänen für Marc und Claire war. Wie die anderen Figuren wirkte sie auf mich nicht unbedingt echt und authentisch, aber es war spannend für mich, immer mehr über sie zu lesen und herauszufinden.
    Felicia Yap schreibt gut verständlich und schafft es, ganz selbstverständlich das mangelnde Erinnerungsvermögen plausibel in unsere Welt zu integrieren. Das Buch ist voll mit unerwarteten Wendungen, die mich überrascht, aber nicht immer umgehauen haben. Gerade zum Ende hin hat mich gestört, dass einige Fragen meinerseits entweder überhaupt nicht beantwortet wurden oder mir die Erklärung unwahrscheinlich erschien.
    Insgesamt ist ,,Memory Game” ein spannender Thriller mit einem gut ausgearbeiteten Konzept, der mir bis auf die erwähnten Kleinigkeiten sehr gut gefallen hat. Wer gerne auch mal eine Dystopie liest und Bücher mag, die man bis zum Ende nicht durchschaut, sollte an diesem Thriller nicht vorbei gehen. Gerne empfehle ich das Buch hier weiter.
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