Das Aquarium: Roman

By | December 29, 2017
Das Aquarium: Roman

Barry Schoder ist kein James Stewart. Und trotzdem besitzt der Tontechniker so etwas wie ein Fenster zum Hof. Da thront er, nach einem Unfall von Lähmung bedroht und vereinsamt, im sechsten Stock, um ins “Aquarium” hinüberzublicken — als Voyeur, wie Steward in Hitchcocks Film. Das Aquarium, das ist ein Bungalow mit langer Fensterfront, hinter der sich nach sieben Wochen Leere plötzlich wieder neues Leben regt. Beim Spannen beginnt Schoder nachzudenken — und will ein Buch schreiben über sein Leben. Aber selbst wenn er plant, “über sich selbst zu erzählen”, so spricht er doch zumeist von den Frauen. Von seiner Ex-Freundin Sybille etwa oder von der Sängerin Sharii, die ihn verführt und dann verschwindet. Oder von June, die eines Tages in das Aquarium gegenüber zieht.

Auch June ist nicht Grace Kelly. Aber die junge, unabhängige Frau im Rollstuhl fasziniert den Tontechniker zusehends. Als Schröder das schützende Dunkel seiner Wohnung verlässt und Kontakt zu ihr aufnimmt, wird der Voyeur immer mehr hineingezogen in den (auch erotischen) Strudel von Junes komplizierter Geschichte. Dass dies für den Protagonisten ohne zwischenmenschliche Probleme nicht ablaufen kann, wird nicht nur Kennern von Thommie Bayers Romanen Das Herz ist eine miese Gegend oder Spatz in der Hand schnell klar.

Wie gesagt: Barry Schoder ist nicht James Steward. Und Thommie Bayer ist natürlich auch nicht Alfred Hitchcock. Aber wie es ihm gelingt, die Lesespannung in seiner einfach konsumierbaren Prosa bis zur letzten Seite aufrecht zu erhalten, verdient höchstes Lob. Und noch etwas haben Bayer und Hitchcock gemeinsam: Bei beiden enden selbst die tragischsten Geschichten immer irgendwie doch gut. Das darf man ruhig verraten. Denn anders als bei Hitchcocks Krimis kommt es auf das Ende bei Bayers wundervollem Liebesroman gar nicht so an. –Thomas Köster

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2 thoughts on “Das Aquarium: Roman

  1. ofelia
    1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
    1.0 von 5 Sternen
    Chacun à son goût, 20. Mai 2017
    Rezension bezieht sich auf: Das Aquarium: Roman (Taschenbuch)
    Offensichtlich kann Barry (Th. Bayer???) auch nicht besser Italienisch als June, denn „Andrea“ (S. 128) handelt nicht von den letzten Minuten eines Deserteurs vor dessen Erschießung, sondern von einem jungen Mann, der sich aus Verzweiflung über den Kriegstod seines Geliebten das Leben nimmt, indem er in einen Brunnen springt. Tatsächlich hat De André dieses Lied explizit allen Homosexuellen („figli della luna“, „gay“) gewidmet (F.D.A., Concerto Milano, 19.12.92).
    Das zunächst nur nebenbei…..

    Das Buch selbst finde ich sehr abartig und würde es keiner meiner Bekannten empfehlen. Das Happy End erscheint mir aufgesetzt, wenig glaubwürdig, die Dialoge wirken hölzern, Barrys Sprache ist einem Mittvierziger nicht angemessen. Die beschriebenen sexuellen Handlungen sind widerlich und abstoßend, genau wie die dargestellten Charaktere, die für mich keinerlei Identifikationsmöglichkeiten bieten. Mir ist nicht klar, warum man sich auf merkwürdige Spielchen dieser Art einlassen kann. Psychische Deformation kann auch anders dargestellt werden als durch sexuelle Perversion, Bayer kann es aber anscheinend nicht anders (s. a. „Die gefährliche Frau“). Frau macht sich bei der Lektüre dieser Werke zwangsläufig Sorgen um den psychischen Zustand des Autors, möchte das aber hier nicht vertiefen. Die Geschmäcker und Vorlieben sind halt unterschiedlich, chacun à son goût, mich hat dieses Buch abgestoßen.

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  2. Sabine
    3.0 von 5 Sternen
    Lieber nicht als Hörbuch, 21. August 2017
    Rezension bezieht sich auf: Das Aquarium, 2 Audio-CDs (Audio CD)
    Das Buch war der erste Roman, den ich von Thommie Bayer gelesen habe. Mich (als Frau) hat dieses Buch sofort fasziniert. Die Geschichte fand ich schräg, außergewöhnlich und spannend. Den eher negativen Reszensionen zu dem Ende des Buches (zu sehr Happy End) teile ich, trotzdem würde ich dem Buch 5 Sterne geben.
    Was allerdings absolut nicht empfehlenswert ist, den Roman als Hörbuch zu hören. Ich habe mir den Roman ca. 1 Jahr, nachdem ich ihn als Buch gelesen hatte, nochmal als Hörbuch angehört, ich höre sehr viele Hörbücher. Anna Thalbach ist gewohnt gut, aber Bernd Michael Lade, ich kann es nicht anders sagen, ist ein schlechter Leser. Die Stimme klingt schlaff, emotionslos, gleichförmig. Sehr sehr schade um dieses Buch als Hörbuch. Deshalb trotz des guten Romans für das Hörbuch nur 3 Sterne
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